Interessantes; Wissenswertes; Interviews

Als Überschrift war damals im Pfaffenhofener Kurier

 

Ein Komet am Speedway-Himmel



Sepp Angermüller war der „Speedway-Beatle“. Ein Mädchenschwarm mit langer, blonder Mähne und einer der besten Sandbahnfahrer Deutschlands. 1977 starb der Motorsportler aus dem kleinen Osseltshausen bei Wolnzach bei einem WM-Lauf in Italien.

„Er hätte noch so viel vor sich gehabt“ – im Frühjahr 1977 ist dieser Satz gefallen. Josef Angermüller, Sandbahn- und Speedway-Rennfahrer aus der zentralen Hallertau, war am Nachmittag des 24. April, einem Sonntag, beim damaligen Auftakt zur Speedway-WM in Italien im Alter von nur 27 Jahren tödlich verunglückt. Und dieser Josef Angermüller war nicht irgendwer: Der Sepp war ein Idol, ein richtiger Held für viele seiner Fans. Beliebt bei Alt und Jung, gefürchtet bei seinen Gegnern auf der Sandbahn.

 

Schon als kleiner Bub war der Sepp ein „Wuida Hund“, erinnert sich ein Osseltshausener. „Der war schon beim Radlfahrn im Gelände immer der schnellste und verrückteste.“ Der Weg zum Rennsport war also nicht allzu weit. Der Sohn des Limonaden-Hersteller-Ehepaares Angermüller interessierte sich dann auch früh für schnelle Motoren. Erste Ersparnisse wurden in ein Moped, und später in die erste Rennmaschine investiert.

 

Albert Strasser, selbst in den 1970er-Jahren ein erfolgreicher Speedwayfahrer, erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit. Die beiden waren zwar auf der Sandpiste erbitterte Gegner, abseits davon allerdings gute Freunde. Ihre ersten Duelle trugen die beiden übrigens nicht auf Sand, sondern auf Asphalt aus: Sie besuchten Mitte der 1960er Jahre die Berufsschule in Pfaffenhofen – Albert  war im Besitz eines Kreidler-Mopeds, dem Sepp gehörte eine Honda. Beide gaben gerne Gas, wer aber war schneller? Ohne sich wirklich zu verabreden, passte man sich nach dem Unterricht am Stadtrand ab – denn hier war der „Start“. Die Rennstrecke führte manchmal bis zu zehn Kilometer durch die Pfaffenhofener Vororte. Die Polizei bekam davon irgendwann Wind und bremste die beiden „Mopedrocker“ mit Erfolg ein.

 

Im Juni 1968 gab Angermüller dann sein Debüt als „richtiger“ Rennfahrer. Auf der Sandbahn von Eggenfelden belegte er den siebten Platz. Jetzt war er der „Beatle“. Diesen Spitznamen bekam er aufgrund seiner schulterlangen, blonden Mähne. Der „Stern aus der Hallertau“ begann nun aufzusteigen wie ein Komet am Bahnsporthimmel. Eine Jugendzeitschrift schrieb: „Rings um den Sepp muss es knattern! Für ihn ist Tempo und Gefahr das, was für andere die tägliche Brotzeit bedeutet.“ Es war nicht irgendeine Zeitschrift, es war die „Bravo“, in der die Teenies den „Speedway-Beatle“ mehrmals bewundern konnten.

 

Der Bahnsport erfuhr in den frühen 1970er Jahren einen regelrechten Boom. Die Massen pilgerten zu den Rennbahnen und auch Angermüller hat einiges dazu beigetragen. Er war einer dieser „Local Heros“, denen man ganz besonders die Daumen drückte, wenn es gegen die internationalen Stars ging. So geschehen an einem Fronleichnamstag in Olching, als es ihm gelang in vier dramatischen Runden den mehrfachen Speedway-Weltmeister und Superstar Ole Olsen niederzuringen. Der Sepp war in der Weltspitze angekommen.

 

England war zur damaligen Zeit der Nabel der Speedway-Welt und Angermüller war der erste deutsche Fahrer überhaupt, der ein Engagement in der dortigen Liga wagte. Vom zeitlichen und körperlichen Aufwand her war das Ganze aus heutiger Sicht ein Wahnsinn: Die kostengünstigste Möglichkeit nach England zu kommen, war das Auto. So pendelte der Sepp ununterbrochen, meist alleine, mit seinem orangefarbenen BMW zwischen Osseltshausen und der Insel über Deutschlands, Belgiens und Englands Straßen. Zum Transport der Rennmaschine diente dem gelernten Landmaschinenmechaniker ein selbst gebauter Ständer am Heck des Autos.

 

In England  fuhr er gegen die besten Fahrer der Welt und konnte dabei einiges an Technik dazulernen. Während er in seiner ersten Saison in Reading  noch Lehrgeld bezahlen musste, avancierte er später bei den Hull Vikings zum Leistungsträger. Als ausgesprochener Fighter, der keinen Lauf verloren gab, wurde er zum Publikumsliebling. Vor drei Jahren widmete ihm eine englische Zeitschrift einen großen Artikel – man hat den „Seppy“ auf der Insel also nicht vergessen.

 

Angermüller war auch derjenige, der so etwas wie Merchandising in der Rennsport-Szene einführte. Es handelte sich zwar nur um Postkarten und Aufkleber – aber immerhin: Etwas Vergleichbares konnten seine Konkurrenten ihren Fans damals nicht bieten. Auch Egon Müller, ein guter Freund des Osseltshauseners, merkte das. Der spätere Speedway-Weltmeister war in den 1970ern häufig zu Gast in Bayern und einmal, nachdem er an einem Renn-Wochenende beim Sepp übernachtet hatte, nahm er etliche Aufkleber mit nach Norddeutschland. Dort wurde aus „Josef Angermüller Speedway“ (in Großbuchstaben) mit Hilfe einer Schere dann „Müller Speedway“. So hatte auch der Egon seine „eigenen“ Klebebilder. Dass  darauf den Speedway-Beatle aus Bayern abgebildet war, störte ihn wenig.

 

Soviel steht fest: Sepp Angermüller war einer der besten Fahrer, die nie einen internationalen Titel gewinnen konnten – irgendwie zog er das Pech geradezu an. In entscheidenden Momenten versagte die Technik, oder er stürzte wieder einmal – oft genug unverschuldet. 1977 hätte es aber endlich klappen und der Traum vom WM-Titel auf der Sandbahn in Erfüllung gehen sollen. Auch der Einzug in das Weltfinale der 16 besten Speedwayfahrer in Göteborg war sein Ziel. Dafür hatte Angermüller materialtechnisch mächtig aufgerüstet und sich im Winter so akribisch wie nie zuvor vorbereitet. Alle Träume endeten abrupt mit dem fürchterlichen Sturz auf der Speedwaybahn in Chivitanova-Marche an der italienischen Adriaküste. Vielleicht wäre der „Beatle“ wirklich Weltmeister geworden. „Drauf gehabt“ hätte es Sepp Angermüller auf alle Fälle – da sind sich Fans und Experten auch heute noch einig.

 

Von Erhard Wallenäffer

 

 

Interviews

Charley Powell gilt als eine der größten britischen Hoffnungen im Grasbahnsport. Der 25-jährige aus Bromley im Südosten Londons qualifizierte sich heuer erstmals für ein Grasbahn-EM-Finale und darf somit zur europäischen Spitze gezählt werden.

5 Fragen an Charley:

Wie kam es dazu, dass Du ein Grasbahnfahrer geworden bist?

Mein Vater fuhr schon vor meiner Geburt 1000ccm-Seitenwagen-Rennen. Ich wiederum, begann schon als Kind mich für die Bahnrennen zu interessieren. Irgendwie begann ich dann aber doch erst einmal Motocross zu fahren. Auf einem Grasbahn-Motorrad saß ich zum ersten Mal als ich 19 Jahre alt war – seit sechs Jahren betreibe ich also Bahnsport.

Bist Du bisher schon Rennen in Deutschland gefahren?

Einige Male schon – ich fuhr bisher in Altrip, Osnabrück, Herxheim, Melsungen und Lüdinghausen. Hier in Bayern bin ich zum ersten Mal.

Was ist Dein persönliches Ziel beim Rennen in Nandlstadt?

Ich bilde ja ein Team mit Mark Baseby – wir beide wollen die Fans gut unterhalten und für spektakuläre Läufe sorgen. Natürlich möchten wir am Schluss auf dem Podium stehen – und zwar auf der obersten Stufe!

Stichwort Mark Baseby – seid ihr Freunde?

Ich kann sogar sagen: Wir sind beste Freunde! Als Speedwayfahrer kämpfen wir beide in der britischen National-League für die Eastbourne Eagles um Punkte. Im Winter fahren wir gemeinsam Trial und spielen auch zusammen Fußball.  Auch wenn es um Partys geht sind wir immer zu zweit unterwegs.

Von Deinem Wohnort in England bis nach Nandlstadt sind es 1100 Kilometer – was denkst Du, wie lange werdet ihr brauchen hierher zu kommen?

Wir kommen mit dem Autozug durch den Kanaltunnel, werden aber sicher um die zehn Stunden benötigen. Es wird so sein: Wir kommen an, fahren unser Rennen und verschwinden sofort wieder in Richtung Heimat – denn wir müssen beide am Montag wieder rechtzeitig an unserem Arbeitsplatz sein.

 

Von Erhard Wallenäffer

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